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h e r b s t

Damals hüllte dich der Winter im Februar noch vollends ein. Sich auf den Sommer freuen, die Kälte als entbehrungsreiche Zeit wahrnehmen und die Tage zählen, bis es wieder wärmer wird, das war dir zu dieser Zeit noch unbekannt. Wahrscheinlich braucht es einige Lebenszeit, bis man ein subjektives Gefühl dafür entwickelt, eine Jahreszeit dauere nun schon viel zu lange. Du lebtest so in den Tag hinein, und glaubtest vielleicht, alles könne sich ändern, jederzeit - dies ist eine göttliche Form der Naivität, die nur schiere Erfahrungslosigkeit bereitstellen kann.
Der Februar verstrich schmerzlos, der März glitt zwischen deinen Fingern hindurch, im April machte sich ein ungewöhnliches Empfinden eines bevorstehenden, noch undefinierten Ereignisses breit. Es kostet mich große Anstrengung, die Bedingslosigkeit deiner Wahrnehmung nachzuvollziehen, es wäre irrsinnig zu behaupten, du habest keine Einschätzung von Zeit gehabt. Du sahst in der Tat kaum Zukunftsraum vor deinem geistigen Auge, empfandest dein Zeitfenster begrenzt und wähntest dich umzingelt von Fristen und Anforderungen. Je mehr ich versuche, die Absurdität deines Denkens aufzugreifen, desto mehr verschwimmt auch mein Bild von dir: Du, vierzehnjährig, mit dem Bewusstsein unendlicher Möglichkeiten ausgestattet, und gleichzeitig fatal genug, gierig und gehetzt genug, um alles zugrundeliegende aufs Spiel zu setzen. Was soll ich mit dir anfangen, mich grämen für die von dir gemachten Fehler, die am Ende doch die Eisschollen sind, auf denen ich schwimme.

Immerhin hat dieses Jahr nach dem Herbst mich zu einer Überlebenskünstlerin gemacht. Ich habe gelernt, in jede noch so kleine Nische zu passen, jeden mir geboteten Zeitraum so zu nutzen, dass ich sogar mehrere Leben nebeneinander führen konnte. Ich habe die Fähigkeit, auf jeden Pfiff hin zur Stelle zu sein, perfektioniert, ich habe Empathie und Anpassungsfähigkeit bis hin zu ihrer jeweiligen Umkehrung exerziert - ich habe mich daran probiert, zu prognostizieren, ja Gedanken zu lesen, und lebe nun mit den rudimentären Aspekten dieser Fähigkeiten, die in übersteigerten Zuschreibungen von Wünschen, Gedanken und Motiven anderer Menschen Ausdruck finden.
14.2.11 11:37
 
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